Neue Forschungsarbeit im Bereich Evolutionsbiologie: „Das Geheimnis der Riesenmäuse“

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Neue Forschungsarbeit im Bereich Evolutionsbiologie: „Das Geheimnis der Riesenmäuse“

 

Inseln spielen in der Evolutionsbiologie eine ganz besondere Rolle. Dadurch, dass der Genpool der vorhandenen Arten nicht ohne Weiteres erweitert werden kann, kommt es auf Inseln besonders häufig zu Entwicklungen eigener Unterarten. Nicht selten finden sich die Phänomene der Verzwergung oder des Gigantismus.

 

 

Verzwergung

Wenn „kleiner werden“ für die Art einen Vorteil bietet, sich zum Beispiel besser im Unterholz des Urwalds verstecken zu können, neigen auf Inseln große Säugetiere über viele Generationen hinweg zur deutlichen Verminderung ihrer Körpergröße

Beispiel: Borneo-Zwergelefant

 

Gigantismus

Wenn „größer werden“ für die Art einen Vorteil bietet, neigen auf Inseln zum Beispiel kleinere Säugetiere dazu, ihre Körpergröße über viele Generationen hinweg erheblich zu erhöhen. Auf der Gough-Insel im Süd-Atlantik ist eine Mauspopulation beispielsweise inzwischen so groß, dass sie Albatros-Küken angreift. Hier hat der Gigantismus den Mäusen also unter anderem neue Nahrungsquellen erschlossen.

 

Dem Geheimnis der Riesenmäuse auf der Spur

Der Forscher Yingguang Frank Chan, Ph.D., macht sich nun im Rahmen seiner zweijährigen Postdoktorandenförderung am Max-Planck-Institut für Evolutionsbiologie in Plön daran, das Geheimnis der Riesenmäuse zu lüften. Der Titel seines Projekts lautet "(re)Tracing the genetics of adaptation - parallel size increases of house mice on islands". Die VolkswagenStiftung unterstützt seine Arbeit mit 165.000 Euro.


Zwar sind die Phänomene der Verzwergung und dem Gigantismus bekannt, doch über die genetischen Grundlagen von den entsprechenen Anpassungsmechanismen wie dem Insel-Riesenwuchs ist derzeit nur wenig bekannt. Die bisherigen Forschungsansätze waren meist auf die statistische Analyse beschränkt.

 

Für Yingguang Frank Chan eignen sich die Riesenmäuse besonders gut, um dem Geheimnis des Gigantismus auf den Grund zu gehen. Zum einen wurden bei verschiedenen Mauspopulationen der Riesenwuchs beobachtet, zum anderen kann der Effekt bei Mäusen sehr leicht unter kontrollierten Bedingungen im Labor künstlich repliziert und damit erforscht werden.

 

Zuerst wird Chan eine Population von Labormäusen, die bereits seit 1975 über 134 Generationen hinweg zu Riesenwuchs gezüchtet wurden, untersuchen. Anhand einer genetischen Kartierungsmethode sollen die Veränderungen im Erbgut, die zum Gigantismus führten, ermittelt werden. Später wird mit der gleichen Methode bei einer Riesenmauspopulation von den Färöer-Inseln verfahren.

 

Chan erhofft sich durch den Vergleich der beiden Ergebnisse eine Antwort auf die Frage, ob die genetische Anpassung / Veränderung als Reaktion auf den Selektionsdruck („Größer-Werden“ ist ein Vorteil) einem vorhersagbaren Weg folgt und welche Gene beziehungsweise Mutationen dabei bevorzugt werden.