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Bedarfsgerechte Nahrungsaufnahme - vom Hirn gesteuert

16.05.2010 14:50 von mgue (Kommentare: 0)

Bedarfsgerechte Nahrungsaufnahme - vom Hirn gesteuert

 

Viele Menschen haben aufgrund der unterschiedlichen Werbekampagnen nicht mehr dieses Gespür für den eigenen Körper und die Nahrungsaufnahme ist durch die unterschiedlichen Werbebotschaften gelenkt. Die Auswirkungen, zum Beispiel Fettleibigkeit und andere „Wohlstandskrankheiten“, sind hinreichend bekannt.

 

Um die Zusammenhänge der natürlichen Nahrungsaufnahme in Bezug auf die jeweiligen Nährstoff-Bedürfnisse herauszufinden, ist es zwingend notwendig, in einem Bereich zu forschen, in dem Werbung keine Rolle spielt. Wenn Tiere zwischen Nahrungsmitteln wählen können, so entscheiden sie sich für das, was ihr Körper gerade benötigt. Viele Untersuchungsergebnisse aus der Forschung mit Tieren können auf den Menschen übertragen werden. So auch die Forschungsergebnisse der Forscher aus Lissabon und Wien, die anhand von Fliegen zeigen, wie die Nahrungsaufnahme dem Bedarf angepasst wird.

 

Kürzlich wurde diese Studie im Journal Current Biology veröffentlicht und liefert erste Hinweise auf die beteiligten Gene und die entsprechenden neuronalen Schaltkreise im Gehirn, die an der Wahl der Nahrung beteiligt sind.

 

Unter der Leitung von Carlos Ribeiro und Barry Dickson am IMP (Institut für Molekulare Pathologie, Wien) wurden die Experimente an Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster) durchgeführt. Das Fressverhalten dieser Fliegen wurde über viele Wochen beobachtet. Je nach Lebensphase und Geschlecht war das Fressverhalten unterschiedlich. Wenn die Tiere zum Beispiel ausreichend mit Zucker und und Eiweiß versorgt waren, verschmähten sie eiweißreiches Futter. Nach einigen Tagen unter eiweißarmer Diät bevorzugten sie jedoch das mit Hefe versetzte, proteinreiche Futter. Weibchen änderten ihre Präferenz rascher als Männchen, befruchtete Weibchen rascher als jungfräuliche.

 

Carlos Ribeiro erläutert: „Wir können nun die Moleküle und Neuronen beschreiben, die befruchtete Weibchen rascher reagieren lassen. Wir wissen auch, welche Moleküle im Fliegen-Gehirn dafür verantwortlich sind, Proteinmangel zu erkennen und auf andere Nahrungsquellen umzuschalten. Damit haben wir quasi den molekularen Sensor entdeckt.“



Dieser Fühler scheint auch bei anderen Spezies das Fressverhalten der Weibchen zu regulieren. Weibliche Moskitos etwa sind auf Blut als Eiweißquelle angewiesen, damit sich ihre Eier entwickeln können. Der Impuls, zu stechen und Blut zu saugen, könnte durch den gleichen molekularen Sensor gesteuert sein wie bei Drosophila. Selbst auf Wirbeltiere und damit den Menschen lassen sich die Erkenntnisse übertragen. Die Regulation der Aufnahme von Eiweiß und Kohlenhydraten ist möglicherweise auch bei der Entstehung von Essstörungen von Bedeutung – eines der großen Gesundheitsprobleme in westlichen Gesellschaften.

 

Die Arbeit „Sex Peptide Receptor and Neuronal TOR/S6K Signalling Modulate Nutrient Balancing inDrosophila“ von Carlos Ribeiro und Barry J. Dickson wurde am 13. Mai 2010 in der online-Ausgabe der Zeitschrift Current Biology veröffentlicht

 

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